Der tägliche Impuls unserer Seelsorger

von Mo-Frei Gedanken zum Durchhalten, Aufatmen, Hoffnung behalten 

#Tragseil

Glaube verbindet/ Kirche trägt/ Gott hält – tägliche Gedanken zum Durchhalten, Aufatmen, Hoffnung behalten

 Liebe Menschen im Pastoralen Raum Soest,

ab heute starten wir mit einer Reihe von Impulsen, die Ihnen während der Coronakrise, Hilfestellung und Ermutigung sein sollen. Einige Seelsorger/innen aus dem Pastoralen Team werden von Montag bis Freitag ihre individuellen Gedanken in dieser so herausfordernden Zeit mit Ihnen teilen. Sollten Sie zu den Texten Gesprächsbedarf haben, freuen wir uns über Ihre Kontaktaufnahme, die jeweiligen Daten dazu finden Sie unter jedem einzelnen Denkanstoß.

Wir sind für Sie da!

Ihre Impulsgeber / Impulsgeberinnen

#TRAGSEIL 5.8. 2020 „VON DIR BIN ICH GESEHEN!“

Liebe Schwestern und Brüder, vielleicht kennt mancher von Ihnen die Sendung: „Klein gegen Groß“. Dieser Titel und dieses Foto haben den heutigen Tragseil-Impuls ange-stoßen:

Ich möchte es so formulieren: „Die Kleinen – wie die Großen“ – es tut ihnen gut, wenn sie jemand anschaut, wenn sie jemand beachtet, wenn sie jemand wahrnimmt, wenn sie jemand ernst nimmt. Denn sie alle sagen still: „Wenn du mich doch brauchen würdest… ich wäre einfach da!“

Angesehen sein und Ansehen schenken – so können wir es beim Psalmisten lesen, war immer ganz wichtig: „Der Herr wende dir sein Angesicht zu, ER lasse sein Angesicht über dir leuchten…“

Und wie kann ein solcher Wunsch konkret werden?

Es gibt so viele Situationen, in denen ich Gott mein Gesicht, meine Augen und die Augen meines Herzens leihen kann:

Menschen in meiner Umgebung beachten, ihnen Aufmerksamkeit schenken, das bedeutet für sie, Wertschätzung und tut ihnen gut. Denn, das kennen wir alle, wo beachtet werden geschieht, erkennt der Mensch seine Fähigkeiten wieder, entdeckt Kräfte, die er verloren gegangen wähnte, erlebt er die Freude, gebraucht zu werden.

Da blüht der Mensch auf, geht aus sich heraus, weil er sich ernst genommen fühlt und weil er spürt, ich bin angenommen.

Was auf unserem Bild zwischen Tieren geschieht, zwischen Klein und Groß, das gilt auch für uns Menschen – oder, wie Hilde Domin es ausdrückt:

„Ansehen beginnt damit, dass sich Augen treffen. Es gibt dich, weil

Augen es wollen, weil sie dich ansehen und so sagen:

Gut, dass es dich gibt!

Lass dich nicht aus den Augen verlieren!“

 

Daraus können wir viel entnehmen – wir können es auch ins Gebet formulieren (bearbeitet nach Jörg Zink in Tedeum extra):

 

Eine Zeit der Stille wirst du brauchen

In die Stille gehen,

heißt aber nicht immer, sich entfernen von den Menschen!

Es heißt vielmehr auch, ihr Herz zu suchen –

sie, einfach ohne Worte brauchen, sie anzusprechen,

ihnen etwas zuzutrauen und wissen,

dass sie auch im Stillen versuchen,

dir eine Hilfe zu sein, vielleicht auch im Gebet –

weil du sie angeschaut hast.

 

Rainer Maria Rilke erzählt von folgender Gegebenheit, die zeigt, wie wichtig es für uns Menschen ist, angesehen zu werden:

 Gemeinsam mit einer jungen Französin kam er um die Mittagszeit an einem Platz vorbei, an dem eine Bettlerin saß, die um Geld anhielt. Ohne zu irgendeinem Geber je aufzusehen, ohne ein anderes Zeichen des Bittens oder Dankens zu äußern als nur immer die Hand auszustrecken, saß die Frau stets am gleichen Ort. Rilke gab nie etwas, seine Begleiterin gab häufig ein Geldstück. Eines Tages fragte die Französin verwundert nach dem Grund, warum er nichts gebe, und Rilke gab ihr zur Antwort: „Wir müssen ihrem Herzen schenken, nicht ihrer Hand.“

Wenige Tage später brachte Rilke eine eben aufgeblühte weiße Rose mit, legte sie in die offene, abgezehrte Hand der Bettlerin und wollte weitergehen.

Da geschah das Unerwartete: Die Bettlerin blickte auf, sah den Geber, erhob sich mühsam von der Erde, tastete nach der Hand des fremden Mannes, küsste sie und ging mit der Rose davon.

 Eine Woche lang war die alte Frau verschwunden, der Platz, an dem sie vorher gebettelt hatte, blieb leer. Vergeblich suchte die Begleiterin Rilkes eine Antwort darauf, wer wohl jetzt der Alten ein Almosen gebe. Nach acht Tagen saß plötzlich die Bettlerin wieder wie früher am gewohnten Platz. Sie war stumm wie damals, wiederum nur ihre Bedürftigkeit zeigend durch die ausgestreckte Hand. „Aber wovon hat sie denn all die Tage, da sie nichts erhielt, nur gelebt?“, frage die Französin. Rilke antwortete: „Von der Rose . . .“

 

Guter Gott!

Lass uns den anderen und vor allem DICH

 niemals aus den Augen verlieren

und hilf uns dabei, dass wir niemals von Dir

und Deinem liebenden Blick auf uns getrennt werden.

Amen

 

Schauen wir an – und lassen wir uns anschauen – das wünsche ich uns!

 

In Verbundenheit grüße Sie herzlich

Ihr

Pfr. Uwe van Raay    uwe.vanraay@pr-soest.de

 

Impuls vom 05.08.2020 - „VON DIR BIN ICH GESEHEN!“ [hier...]

#TRAGSEIL 22.7. 2020 Ist Christ-sein, Hoffnungsträger sein?

Mal im Ernst, passen wir eigentlich noch in die heutige Zeit? Ist das ganze Kirchliche nicht überholt und altbacken? Welches Image hat die Kirche? Ein Verein mit Leuten, die alte Riten pflegen, deren Sinn sich den meisten Menschen nicht mehr so recht erschließt. Eine Gemeinschaft, die durchschnittlich immer älter und deren Personal auch immer weniger wird. Seit der Corona Krise sind wir in unserem Tun so gehemmt und manch einer fragt sich, ob er überhaupt etwas vermisst. Der Trend der Kirchenentwicklung, wie er vorausgesagt wurde, ist durch die Corona-Maßnahmen nur beschleunigt worden. Bald versinken wir in der Bedeutungslosigkeit, oder sind es schon…

Und das in einer Zeit, in der Krankheiten uns das Leben schwer machen, in der die Natur ungestraft (s. Brasilien) zerstört wird, in der unser Verhältnis zur Umwelt immer distanzierter wird. Wetter? Dafür habe ich eine App. Das Klima spielt verrückt (s. Sibirien), doch viele fragen sich, wann kann ich wieder in den Urlaub. Als die Corona-Pandemie Fahrt aufgenommen hat, da dachten viele noch: Jetzt wird alles anders, wir haben Zeit zum Nachdenken und können vieles ändern. Was ist daraus geworden? Der alte Trott greift wieder um sich und die eingeschliffenen Gewohnheiten feiern Auferstehung. Selbst nach dem Fleischskandal ist eine echte Änderung der Situation in der Tierhaltung und dem Bewusstsein der Menschen für Konsum nicht wirklich ernsthaft zu spüren. Es geht weiter, wie gehabt… Wir sind Gefangene unseres Systems und unseres Fortschritts. Mal eben die Umstände ändern geht nicht, weil da soviel dranhängt. Mir tut es weh, wenn ich sehe, wie wir immer weiter machen und meine Kinder fragen mich in letzter Zeit öfters: „Mama, wie wird die Zukunft? Werden wir noch vernünftig leben können? Ich habe Angst!“ Was kann ich darauf antworten…?

Die Welt verbessern, nein das kann ich auch nicht. Den Idealismus habe ich mir schon lange abgeschminkt. Aber so einen kleinen Beitrag kann ich leisten, ist doch besser, als nur passiv sich dem Schicksal ergeben. Manchmal ziehen kleine Aktionen große Kreise, manchmal wird aus einer kleinen Bewegung eine große. Und im konkreten Tun bewirkt unser Handeln doch etwas. So wie in der Geschichte von dem Seestern, die von William Ashburne stammt:

„Ein alter Mann geht bei Sonnenuntergang den Strand entlang. Er beobachtet vor sich einen jungen Mann, der Seesterne aufhebt und ins Meer wirft. Er holt ihn schließlich ein und fragt ihn, warum er das denn tue. Der junge Mann antwortet, dass die gestrandeten Seesterne sterben, wenn sie bis Sonnenaufgang hier liegen bleiben. „Aber der Strand ist kilometerlang und tausende Seesterne liegen hier. Was macht es also für einen Unterschied, wenn Du Dich abmühst?“, sagt der alte Mann. Der junge Mann blickt auf den Seestern in seiner Hand und wirft ihn in die rettenden Wellen. Er schaut den alten Mann an und sagt: „Für diesen hier macht es einen Unterschied.“

Ja, die Umstände in der Welt sind nicht gerade vorteilhaft, aber oder vielleicht gerade deshalb kommt es auch uns Christen an, denn wir sind aktuell, wir haben etwas zu sagen, wir sind kein Verein von Gestrigen. Unsere Botschaft ist der Glaube an die Hoffnung und die Liebe. Es ist die Aufforderung zur Wertschätzung des Lebens und der Natur, ist das Kümmern um die Erde und um alles, was auf ihr wächst und gedeiht. Wir haben den Auftrag, Hoffnungsträger zu sein, immer wieder, jeden Tag, jeden Augenblick. Hoffnungsträger sein für alles, was auf unserer Erde ist, Mensch und Tier und Pflanze. Und wir dürfen uns dabei begleitet wissen von einem Gott, der diese Hoffnung in uns gelegt hat und uns in unserem Tun begleitet.

Christ sein ist Hoffnungsträger sein!

In diesem Sinne grüße ich Sie und hoffe, dass wir die Seesterne in unserem Leben finden und zurück ins Wasser werfen können!

 

Ihre Sonja Rudolph, Klinikseelsorgerin und Gemeindereferentin zu erreichen über E-Mail sonja.rudolph@pr-soest.de

 

Impuls vom 22.07.2020 - Ist Christ-sein, Hoffnungsträger sein? [hier...]

#TRAGSEIL 15.7. 2020 Toleranz

Gebet um Toleranz

Gott, Menschen und Lebensumstände sind so verschieden, dass wir Mühe haben, sie in unsere Denkmuster einzuordnen.

Mit unterschiedlichsten Merkmalen hast du uns ausgestattet: Herkunft und Hautfarbe, Alter und Geschlecht, ethnische Zugehörigkeit und kulturelle Tradition, religiöse, politische und sexuelle Orientierung, Ängste und Hoffnungen, Träume und Visionen.

Aber in uns allen ist die Sehnsucht nach Anerkennung und Geborgenheit.

Befreie uns von der Blindheit, die nur einen Weg für alle sieht.

Löse uns von allen Fesseln der Vorurteile und Gleichgültigkeit. Schenke uns den Geist der Geschwisterlichkeit und Solidarität.

Nimm von uns alle Angst, wir würden verlieren, wenn wir selbst gezogene Grenzen öffnen.

Lass uns aufeinander zugehen in Respekt und Freiheit und lass uns aufbereiten das Feld der Versöhnung, damit sie wachsen können in Vielfalt und im Übermaß: die Früchte deines Reiches.   

Amen                                                               

Autor: Christian Zoidl, In: Pfarrbriefservice.de

 

Dieser Text fiel mir kürzlich in die Hände, als ich selbst über das Thema TOLERANZ nachdachte. Aus Amerika haben uns die Nachrichten über Rassismus – Black Lives Matter / Schwarze Leben zählen… – erreicht, seitdem ist es bei uns auch wieder mehr in den Schlagzeilen. Der Umgang mit Menschen anderer Hautfarbe, Religion, sexueller Orientierung fordert unsere Gesellschaft immer neu heraus. Und jeder darf sich persönlich die Frage stellen: Wie tolerant / weltoffen bin ich selbst?

Gekommen bin ich auf dieses Thema für den heutigen Impuls aber noch aufgrund einer anderen Tatsache. Vor einiger Zeit bekam ich den Termin: 18. Juli / Schützenmesse St. Antonius Bettinghausen. Beim Notieren in meinen Kalender las ich, dass vom Herausgeber dort schon etwas zuvor eingetragen worden war: Internationaler Nelson Mandela Tag. Ich fand das sehr passend: Ein Schützenfest fällt auf ein Datum, an dem der Toleranz (bzw. einem Politiker, der für Toleranz steht) gedacht werden soll. Wie stimmig, so mein Gedanke. Denn am Schützenfest soll doch das ganze Dorf / der ganze Ortsteil zusammenkommen, es soll Anlass sein für Gespräche mit verschiedensten Menschen, Gelegenheit zum Teilen gemeinsamer froher Stunden mit jedem, der das Fest besucht…

Dieses Jahr finden unsere Schützenfeste nicht im gewohnten Rahmen statt. Dennoch können uns die Tage daran erinnern und dazu ermuntern, dass wir als Gemeinschaft unterwegs sind. So können wir in diesen Zeiten mal darüber nachdenken, wie wir Neuankömmlinge stärker in den Blick nehmen, Zugezogene (bewusst) ansprechen, Kontakt zu Menschen suchen, die vielleicht noch nicht so „mittendrin“ sind…

So möchte ich für heute mit einem Zitat von Nelson Mandela (1918-2013) schließen:

"Ich habe gegen die weiße Vorherrschaft gekämpft und ich habe gegen die schwarze Vorherrschaft gekämpft. Mein teuerstes Ideal ist eine freie und demokratische Gesellschaft, in der alle in Harmonie mit gleichen Chancen leben können. Ich hoffe, lange genug zu leben, um dies zu erreichen." (Mandela 1964)

Noch haben wir dieses Ideal, dass alle Menschen – unabhängig von Hautfarbe, Herkunft, Religion, Orientierung – rechtlich gleichgestellt sind, nicht erreicht, aber vielleicht sollten auch wir uns darum bemühen, dafür lange zu leben…

Herzliche Grüße aus dem Pfarrhaus Bad Sassendorf!

Ihre Felicitas Hecker                    

Gemeindereferentin im PR Soest

Zu erreichen über Mail: felicitas.hecker@pr-soest.de oder Tel.: 02921 / 53614

 

Impuls vom 15.07.2020 - Toleranz [hier...]

#TRAGSEIL 08.7. 2020 Ich bin da, wo du bist. (Ex3,4)

Mit Gottes Zusage und einem biblischen Perspektivwechsel durch eine Sommerwoche!

Vor einigen Tagen war ich in Telgte unterwegs. Auf meinem Weg kam ich an einer riesigen, weißen Plakatwand vorbeikam. Auf dieser stand nur ein Satz! Gottes Zusage: ICH BIN DA, wo du bist! (Ex 3,4) Unmittelbar sprang er mir ins Auge und ins Herz. Ließ mich abrupt anhalten. Ganz ohne Auftrag stoppten meine Füße, der Kopf hob sich und ich wurde inmitten des geschäftigen Treibens ganz still. Wow! Was für eine mutmachende, tragfähige, göttliche Zusage und ich hatte sie in den letzten Wochen vor lauter Geschäftigkeit fast vergessen.

Alltagswolken, Alltagsaufgaben und Gewohnheiten hatten sich zwischen diese göttliche Zusage und mich geschoben, wie die Regenwolken vor die Sommersonne. Na, das könnte doch mal ein spiritueller Leitgedanke für mindestens eine Sommerwoche sein, dachte ich. Gott und seiner Zusage neu auf die Spur kommen - mitten im Alltag. Denn so wie die Sonne sich in diesem Tagen eher hinter den Wolken verbirgt und trotzdem da ist, so spüre ich, geht es mir im Alltag auch oft mit Gott. Kennen Sie das auch?

Damit ist jetzt Schluss, dachte ich bei mir und die Idee meiner `persönlichen, spirituellen Sommerwoche` war geboren. Während meiner Rückfahrt kamen mir mit jedem Kilometer mehr und mehr Impulse dazu in den Sinn. Ja, jedem Tag eine eigene Färbung und Prägung geben. Und dann verspürte ich noch den Impuls, dass ich Sie gerne mitnehmen würde. Vielleicht haben Sie ja Freude mitzumachen bei der Aktion: Mit Gottes Zusage und einem biblischem Perspektivwechsel durch eine Sommerwoche.

Neben der Zusage Gottes habe ich jedem Tag eine Textzeile aus dem Tagesevangelium nach Matthäus (zu Beginn ist es die Tageslesung von Hosea) zugeordnet und versuche mit diesem Wort durch den Tag zu gehen. Zugegeben. Neu ist die Methode nicht. Aber sie fordert trotzdem immer noch heraus. Biblischer Perspektivwechsel mitten im Alltag bedeutet ja achtsam sein, hinzuhören und hinzuspüren, wo eingetretene Gedankenmuster und Gewohnheitspfade mich hindern, mir die Sicht versperren. Und wo ich ermutigt und gestärkt durch Gottes Zusage den Perspektivwechsel wagen kann und will. Der Auftakt am heutigen Mittwoch legt ja direkt gut los. Neuland unter `meinen Pflug` nehmen, das soll ich wagen. Na dann!

Mal schauen, wo die einzelnen Tage und Gottes Zusage und Worte mich hinführen. Also heißt es ab heute: morgens den Impulsgedanken lesen. an zwei, drei Stellen sichtbar anbringen (damit er im Alltag nicht direkt wieder verloren geht). abends die Rückschau. Kleines Sommerabenteuer, egal wie das Wetter ist und egal an welchem Ort ich gerade bin. Sind Sie dabei? Ich würde mich freuen.

Hier kommen nun die biblischen Perspektivwechselimpulse. Ausdrucken, ausschneiden, gut sichtbar an Alltagsgegenständen (wie Kühlschrank, Spiegel, etc.) anheften und los geht’s.

 

Mittwoch, der 08.07.2020

Ich bin da, wo du bist! Wage es und nimm Neuland unter den Pflug!

 

Donnerstag, den 09.07.2020

Ich bin da, wo du bist! Also geh und verkünde mit leichtem Gepäck und ohne unnötigen Ballast!!!

 

Freitag, den 10.07.2020

Ich bin da, wo du bist. Deshalb vertraue! Dir wird eingegeben was du sagen sollst. Die hl. ruach spricht durch dich.

 

Samstag, den 11.07.2020

Ich bin da, wo du bist, wenn du nach Erkenntnis rufst oder um Einsicht bittest.

 

Sonntag, den 12.07.2020

Ich bin da, wo du bist. Lausche nach Innen. Höre das Wort, dass in dir und durch dich reiche Frucht bringen will.

 

Montag, den 13.07.2020

Ich bin da, wo du bist. Sei achtsam, wen du heute aufnimmst. Es könnte sein, dass ICH ES BIN.

 

Dienstag, den 14.07.2020

Ich bin da, wo du bist. Deshalb bewahre die Ruhe und sei ohne Furcht.

 

Schreiben Sie mir doch gerne, ob der ein oder andere biblische Perspektivwechsel auch in Ihrer Sommerwoche geschehen ist. Ich würde mich wirklich sehr freuen, von Ihnen zu hören.

In herzlicher Verbundenheit und bleiben Sie gesund und behütet.

 

Ihre Martina Neuhaus, Gemeindereferentin

Zu erreichen über Mail: martina.neuhaus@pr-soest.de oder Tel. 02921 6710676

 

Impuls vom 08.07.2020 - Ich bin da, wo du bist [hier...]

#TRAGSEIL 24.6. 2020 „Sommersonnenwende“

Liebe Leserinnen und liebe Leser,

 

auf der Nordhalbkugel der Erde – also unter anderem in Deutschland und im restlichen Europa – war der kalendarische Sommeranfang am 20. Juni 2020 um 23:43 Uhr mitteleuropäischer Sommerzeit. Dies ist der Zeitpunkt der Sommersonnenwende.  Die Sonne steht dann über dem nördlichen Wendekreis. Anders ausgedrückt: Wir durften uns über den längsten Tag des Jahres oder die kürzeste Nacht – je nachdem aus welcher Perspektive betrachtet wird – freuen.

Für viele Menschen hat dieser Tag etwas ganz Besonderes, ja sogar Mystisches an sich. So kommen beispielweise im englischen Stonehenge am weltberühmten Steinkreis Hunderte zusammen, um gemeinsam zu feiern, zu tanzen, zu beten, zu meditieren … und somit Teil des faszinierenden Augenblickes zu sein.  

Was ist es, was die Leute anzieht? Neben esoterischen Beweggründen, die besagen, dass von diesem Datum und Ort eine kraftspendende Wirkung ausgeht, könnte eine Interpretation sein: Der Tag berührt die Mitte und Wendepunkte der eigenen Biografie, sei es bewusst oder unbewusst. Diese Zeiten des Lebens haben es in sich, sie irritieren und werfen Fragen auf wie beispielsweise „Was war bis hierher? Was habe ich noch vor? Wohin will ich gehen, was ist mein Ziel, wenn ich mir ins Gedächtnis rufe, wie begrenzt mein Leben ist?“.  Zwischen dem 40. und 50. Lebensjahr führen diese exis­ten­zi­ellen Fragestellungen nicht selten zur „Midlife-Crisis“ oder auf Deutsch zur „Lebensmittekrise“. Aber nicht nur Frauen und Männer in den mittleren Jahren durchleben solche Turbulenzen. Einschneidende Ereignisse – die  sogenannten Wendepunkte des irdischen Daseins – wie der Tod eines nahestehenden Menschen, Trennung oder Scheidung, der Verlust des Arbeitsplatzes, Krankheit oder Unfall – können in jedem Lebensalter aus der Bahn werfen.

An dieser Stelle möchte ich die göttliche Perspektive ins Spiel bringen. Neben den therapeutischen Hilfestellungen oder angebotenen Coachings zur Bewältigung der Situationen ist sie eine zusätzliche, für mich befreiende, Botschaft. Macht sie doch Mut und gibt Zuversicht, wenn Gott uns immer wieder aufs Neue sagt:

„Ich lasse dich nicht fallen und verlasse dich nicht. […] Siehe, ich habe dir geboten, dass du getrost und unverzagt seist. Sei also ohne Furcht und Angst, denn der Herr, dein Gott, ist mit dir überall, wohin du auch gehst“ (Josua 1,6 und 1, 9).

Ich wünsche Ihnen von Herzen, dass die Sommersonnenwenden Ihres Lebens im göttlichen Licht erscheinen mögen. 

Ihre Ute Paschedag

Gemeindeassistentin im Pastoralen Raum Soest

Zu erreichen unter: Telefon 02921/6710672 oder eMail ute.paschedag@pr-soest.de

 

Impuls vom 24.06.2020 - Sonnensommerwende [hier...]

#TRAGSEIL 17.6. 2020 „Schuhe sind Rudeltiere“

Während einer Sitzung entdeckte ich eine Postkarte, die meine Aufmerksamkeit erregte. Immer wieder schaute ich auf die Karte und las den Spruch: „Schuhe sind Rudeltiere“. Und dann dachte ich an all die unterschiedlichen Schuhe, die es so gibt: Die schicken High heels, in denen „frau“ stolziert. Oder die Wanderschuhe, die uns helfen, ausdauernd eine Wegstrecke zu meistern. Oder die ausgetretenen Latschen, die so bequem sind, dass man sie kaum noch spürt. Oder die Pantoffeln, die nur „indoor“ getragen werden, in einem begrenzten Raum. Oder die Regenstiefel, mit denen es Spaß macht, auch mal durch eine Pfütze zu springen. Oder die Sicherheitsschuhe, die vor Unfällen schützen. Oder die Ballerinas, mit denen wir durch den Raum schweben. Oder die Taucherflossen, die uns in anderem Terrain Antrieb geben, und und und… Es gibt so viele unterschiedliche Schuhe.

Mit welchem Typ „Schuh“ sind sie eigentlich unterwegs? Warum ich das frage? Wir Menschen sind doch auch sehr unterschiedlich. Und wie es bei den Schuhen sehr unterschiedliche Modelle gibt, so gibt es bei uns Menschen, bei uns Christen, auch verschiedene Exemplare. „Jeder Jeck ist anders“, so heißt es im „Kölschen Grundgesetz“. Und wir Menschen sind Rudeltiere. Das können wir momentan gut merken, weil wir unser Rudelverhalten nur eingeschränkt leben können, weil was Wesentliches fehlt: Die Gemeinschaft, das unmittelbare gegenseitige Teilnehmen am Leben der Anderen.

Warum also nicht mal über Schuhe philosophieren? Im Evangelium nach Lukas lesen wir:

“In jener Zeit suchte der Herr zweiundsiebzig andere Jünger aus und sandte sie zu zweit voraus in alle Städte und Ortschaften, in die er selbst gehen wollte.“ (Lk ‪10, 1)

Jesus schickt die Jünger nicht allein los, sondern zu zweit. Schuhe sind Rudeltiere. Christen sind auch Rudeltiere. Sie sind dazu bestimmt, in Gemeinschaft loszugehen durchs Leben: auf ausgetretene Pfade, auf Schotterwege, Autobahnen, Einbahnstraßen Sackgassen, Umleitungen, Feldwegen, Alleen, auf steile Aufstiege, Serpentinen, Tunnel, Kreuzungen, Weggabelungen, Spielstraßen, Rundwege, … Die Wege des Lebens sind sehr unterschiedlich und vielfältig, herausfordernd. Und nicht jeder Schuh passt zu jedem Weg. Da muss man schon schauen, was geht. In welchen Schuhen sind wir unterwegs? Wo führt der Weg hin? Wo kommt er her? Wie ist er beschaffen? Wie lange bin ich schon unterwegs? Wie lange will ich noch unterwegs sein? Wo ist das Ziel? Wie sieht es aus? Was motiviert mich, dahin zu wollen? Passt mir mein Schuh oder drückt er? Muss ich ihn eventuell sogar wechseln, damit ich weitergehen kann? Fragen um Fragen… vielleicht regen die Fragen sie an, darüber einmal nachzudenken: Mit welchem Rudel und in welchen Schuhen bin ich eigentlich auf welchen Wegen unterwegs?

Viel Spaß beim Nachdenken und vielleicht dem Gewinn von neuen Einsichten!

Ihre Sonja Rudolph, Klinikseelsorgerin und Gemeindereferentin zu erreichen über E-Mail sonja.rudolph@pr-soest.de

Impuls vom 17.06.2020 - Schuhe sind Rudeltiere [hier...]

#TRAGSEIL 10.6. 2020 „Atme in uns Heiliger“

Atme in uns Heiliger Geist – gerne auch über Pfingsten hinaus

Liebe Leserinnen und Leser eine Frage direkt zu Beginn: Hat sich seit Pfingsten bei und vor allem in Ihnen etwas geändert?  Haben Sie IHN gespürt, den Heiligen Geist? Haben Sie SIE gespürt, die Heilige Geistkraft, die heilige ruach Gottes, die tröstet, befreit, ermutigt, durchweht, durchdringt, erneuert, durcheinanderwirbelt, herausfordert und atmet – in uns?

Nicht erst seit dem Pfingstwochenende erwische ich mich dabei, dass ich immer wieder leise den Refrain eines Liedes summe oder singe, sozusagen einen Ohrwurm habe. Sie ahnen es aufgrund des Titels schon längst. Ich meine das bekannte Lied (GL 346)

Atme in uns, Heiliger Geist, brenne in uns, Heiliger Geist,  wirke in uns, Heiliger Geist. Atem Gottes komm!

Seit ein paar Tagen spüre ich, dass dieser Refrain mich mit etwas in Verbindung gebracht hat. Er hat mir so etwas wie ein `Ah! Erlebnis` geschenkt. Das kennen Sie doch bestimmt auch. Es geht innerlich ein Licht auf. Der Blick wird klarer und es entsteht das Gefühl für einen kurzen Augenblick `mehr` zu sehen und zu verstehen als vorher. Der Augenblick mag vergehen, das Erkennen, das Verstehen bleibt.

Das Wort des Liedrefrains, dass mich in Verbindung gebracht hat heißt: Atem!

Bei meinen geistlichen Begleitungen, bei seelsorglichen Gesprächen, in unterschiedlichsten pastoralen Aufgaben ist mir der Atem immer schon Anker. Im Atem verbunden bitte ich um die Kraft Gottes z.B., wenn mein Gegenüber bis ins Mark erschüttert ist und ich hoffe, in meinem Beistand das rechte Wort zu finden. Auch atme ich häufig drei Mal tief ein und aus, bevor ich eine Tür öffne, wissend, dass nun eine Begegnung ansteht, die nicht alltäglich ist.

Oder, uns allen vertraut ist sicherlich auch das erleichterte (Auf-) Atmen, nach einer angespannten Situation. Es geschieht häufig unbewusst, jedoch entspannt es sofort und unmittelbar.

Und dann gibt es ja noch dieses ganz tiefe Ein- und Ausatmen, wenn ein Sonnenaufgang, ein Tautropfen, das Stehen auf einem Berggipfel usw. usw. einem fast das Herz zerspringt lässt. Man sich innerlich nur verneigen möchte, weil diese Erfahrung, die einem fast den Atem raubt, uns zeitgleich mit ´Etwas` in Verbindung und in Berührung bringt: Gott! um und in uns, in diesem Moment, im Atem verbunden.

Der Liedrefrain hat mit neu entdecken lassen, dass dieses ja nicht nur zu den Gipfelerlebnissen unseres Lebens gehört. Nein, mitten im Alltag ist der Atem die ganz unmittelbare Verbindung zu Gott, zu Christus, zum Heiligen Geist, der da in uns atmet.

Und über Pfingsten hinaus?

Konkret will ich mal versuchen kleine Atemübungen in den Alltag zu integriert. Vielleicht haben Sie ja Freude mitzumachen. Einfach drei, vier Mal am Tag bewusst und achtsam ein- und auszuatmen. Das erdet und himmelt doch, sozusagen! Bringt in Verbindung mit dem Hier und Jetzt, mit dem Augenblick, der uns gerade geschenkt ist, in dem wir uns gerade bewegen, leben, atmen, sind.

JA! Vielleicht erfahren wir ja dann über Pfingsten hinaus -

Gottes Geist, der in uns atmet. Seine Gegenwart und Kraft hat Jesus uns zugesagt. Seinen Antrieb zu mutmachendem Aufbruch auch.

Ja, DICH ersehnen wir. Durchdringe, belebe und kehre ein. Gerne mit deiner Heiligkeit, deiner Wahrheit und deiner Liebe, du Heilige, in uns atmende Geistkraft. Die vereint, erfüllt und neu macht – über Pfingsten hinaus. Amen

 

Herzlichste Ihre Martina Neuhaus,

                                 Gemeindereferentin im PR Soest

Zu erreichen über Mail: martina.neuhaus@pr-soest.de oder Tel. 02921 6710676

 

Impuls vom 10.06.2020 - Habt keine Angst...! [hier...]

#TRAGSEIL 27.5. 2020 „Habt keine Angst…!“

Im Jahr 2020 feiert die Kirche den 100 Geburtstag des Heiligen Johannes  Paul II. In seiner ersten Ansprache als neugewählter Papst und auch später an  zentralen  Stellen  seines Pontifikates und im Besonderen bei den Welt-Jugendtagen hat er immer wieder diese Worte in das Zentrum seiner  Botschaften  und  seiner Verkündigung gestellt. Als erster nicht italienischer Papst seit Jahrhunderten rief er am 22. 10. 1978 den Gläubigen auf dem Petersplatz, den Gläubigen Italiens und der ganzen Welt zu:

„Habt keine Angst! Öffnet – ja reißt die Tore weit auf für Christus! Öffnet die Grenzen der Staaten, die wirtschaftlichen und politischen Systeme, die weiten Bereiche der Kultur, der Zivilisation und des Fortschritts SEINER rettenden Macht! Habt keine Angst! Christus weiß, was im Inneren des Menschen ist, ER weiß alles!“

Wie aktuell sind doch diese Worte gerade in unsere Zeit hineingesprochen, wo durch Corona oft genau das Gegenteil von Öffnungen zur Erfahrung wird, wo Staaten sich wieder zurückziehen auf ihr …first; ja, wo selbst in Europa Grenz-Schlagbäume wieder hochgezogen wurden, obwohl im Schengen Abkommen die offenen Grenzen als Grundprinzip festgelegt wurden. Vorsicht aber eben auch Angst spielten dabei eine tragende Rolle.

Johannes Paul II. hatte selbst 2 totalitäre Systeme in seinem Leben erlebt und durchlitten. Er wusste genau, wie sehr Herrschaftssysteme Menschen mit Ängsten belegen können. Er hatte selbst erlebt, dass es vielfach die Angst war, die die Menschen kleingehalten hat – und vor allem sie daran gehindert hat, die Welt zum Guten zu gestalten. Johannes Paul II. kannte sie nur zu gut: die berechtigte Angst vor Verfolgung, Repression, Unterdrückung und Verhaftung. Und doch wusste er, diese Angst muss überwunden werden, weil sie den Menschen entstellt. Er beließ es daher auch nicht bei der schlichten Ankündigung, sondern zeigte einen Weg aus der Angst auf. Denn für ihn war ganz klar: Der letzte und tiefste Grund, warum wir keine Angst haben müssen, ist niemand anderes als Christus selbst. Er lebte diese Überzeugung, dass der, der sich in Christus festmacht, feststellen wird, dass er in allen Grenzsituationen von einer höheren Macht getragen ist. Entscheidend war für ihn, dass ich in meiner Angst auf Christus blicke und mich von IHM führen lasse. Und immer wieder verwies der Papst auf das Matthäusevangelium (14,22-33), auf Petrus, der auf dem Wasser auf Jesus zugeht, dessen Angst ihn untergehen lässt, der aber im Blick auf Jesus von diesem an die Hand gefasst aus dem Wasser gezogen wird.

Auf diese Weise hat Johannes Paul II., auch durch sein eigenes Leben, vielen Menschen Zeugnis von seiner Überzeugung gegeben. Er hat viele Menschen ermutigt, sich Jesus anzuvertrauen, um sich den Herausforderungen der jeweiligen Zeit zu stellen. Im Jahr 2000 rief er den Jugendlichen zu:

„Jugendliche (und Erwachsene) aller Kontinente: Habt keine Angst, die Heiligen des neuen Jahrtausends zu sein! Liebt das Gebet, lebt konsequent euren Glauben und seid großherzig im Dienst an den Schwestern und Brüdern. Seid aktive Glieder der Kirche und Mitgestalter der Hoffnung und des Friedens! Um dieses anspruchsvolle Lebensprojekt in die Tat umzusetzen, hört beständig auf SEIN Wort und schöpft Kraft aus den Sakramenten – vor allem aus der Eucharistie und der Buße. Der Herr möchte, dass ihr furchtlose Apostel Seines Evangeliums und Erbauer einer neuen Menschheit seid!“

Pfingsten, liebe Schwestern und Brüder, steht vor der Tür. Rufen wir den Himmel an, um die Gaben des Heiligen Geistes, damit auch wir unserer Berufung heute folgen und sie tatkräftig und überzeugend leben können. Der heilige Papst Johannes Paul II. kann auch uns heute Mut machen - und uns fürbittend zur Seite stehen.

Ihr Pfr. Uwe van Raay

uwe.vanraay@pr-soest.de (02921-944 21 79)

Impuls vom 27.05.2020 - Habt keine Angst...! [hier...]

#StarkeFrauen

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

vielleicht sind Sie am vergangenen Sonntag in unserer Heilig-Kreuz-Kirche dabei gewesen als eine Frau das Evangelium ausgelegt hat. Eine Premiere, denn Mechthild Wohter hat auf dem ersten bundesweiten Predigerinnentag in der katholischen Kirche ihre Gedanken zum Sonntagsevangelium mit uns geteilt. Zum Tag der Apostelin Junia organisierte der Bundesverband der Katholischen Frauengemeinschaft Deutschland (kfd) eine bundesweite Aktion:

 12 Frauen. 12 Orte. 12 Predigten.

Soest durfte so ein Ort im großen Ganzen werden und Geschichte mitschreiben. Darauf können wir stolz sein.

Der Predigerinnentag soll auch als Beitrag zum Synodalen Weg gesehen werden, der sich mit der Frage von „Frauen in Diensten und Ämtern in der Kirche“ auseinandersetzt. Mit ihrer Teilnahme wollten die kfd-Frauen deutlich machen, dass sie unbeirrt ihrer Berufung folgen und ihre Forderung nach Geschlechtergerechtigkeit dorthin tragen, wo es an Gleichberechtigung bislang fehlt: In die katholischen Gotteshäuser und da insbesondere in die Feierformen unseres Glaubens.

Dass die Zahl 12 gewählt wurde, dürfte kein Zufall  gewesen sein. Angelehnt an die 12 Apostel Jesu drückt sie aus, dass es keinesfalls nur Männer waren, die ihm folgten. Die Bibel und die Geschichte der Kirche sind geprägt von starken Frauen.

Meine Kollegin, Felicitas Hecker, hat in den vergangenen Pfarrnachrichten bereits von einer berichtet: Maria, der Gottesmutter.

Eindrucksvoll schilderte sie, welche tragende Rolle diese Frau für viele Frauen und Männer auch heute noch spielt. Hätte Maria sich nicht ohne Wenn und Aber ihrem Schicksal gefügt und die Botschaft des Engels Gabriel vorbehaltslos angenommen, dann gäbe es ihn nicht, unseren irdischen Jesus. Gottes Plan mit uns, seiner über alles geliebten Menschheit, wäre nicht aufgegangen. Keine Befreiung, kein Tilgen von Schuld und Sünde, keine Hoffnung über den Tod hinaus! Gott hätte ganz schön alt ausgesehen, wenn Maria Nein zu seinem Vorhaben gesagt und zu Gabriel nicht den entscheidenden Satz am Ende der Verkündigungsszene gesprochen hätte: „Siehe, ich bin die Magd des Herrn; mir geschehe, wie du es gesagt hast“ (Lk 1,38).  Auf den Punkt gebracht: Unser allmächtiger Gott ist in diesem Falle abhängig von einer Frau. Allein Maria ist es, die die Menschwerdung Gottes durch ihr großes Vertrauen ermöglichte. Beeindruckend ja faszinierend zugleich, so würde ich  dieses bedingungslose Handeln beschreiben. Und von daher ist es auch nicht verwunderlich, dass der Wonnemonat Mai ihr zu Ehren gewidmet ist.

Doch da gibt es im Leben Jesu und in der Geschichte der Kirche noch eine andere Maria: Maria Magdalena.

Keine neutestamentliche Figur steht so sehr für die Liebe zu Jesus und seiner Lehre, wie diese Frau. So zog sie mit nach Jerusalem. Sie war es, die nicht von Jesu Seite wich, ihn auf seinem Kreuzweg tapfer begleitete, der von Folterung, Qual, Schmerz und Leid geprägt war. Mit anderen Frauen beobachtete sie die Kreuzigung und wohnte dem Begräbnis bei. Kaum vorstellbar, welche Verzweiflung sie an diesen Tagen durchlebt haben muss. Fast schon überirdisch, was Maria Magdalena da geleistet hat. Nur zur Erinnerung: Die männlichen Jünger hatten aus Angst das sinkende Schiff beizeiten verlassen. Geflüchtet sind sie, versteckt haben sie sich. Keiner von ihnen – bis auf Johannes – stand unterm Kreuz, um den sterbenden Jesus zu begleiten. Um den Leichnam zu salben, kehrte Maria Magdalena am Ostermorgen zur Grabstelle zurück und entdeckte, dass diese leer war. Hier erschien ihr dann als Erste der Auferstandene. Sie persönlich und allein erhielt von Jesus Christus an dieser Stelle den Erstauftrag zur Verkündigung der Frohen Botschaft: „Geh aber zu meinen Brüdern und sag ihnen: Ich gehe hinauf zu meinem Vater und eurem Vater, zu meinem Gott und eurem Gott“ (Joh 20,17).

Seit jeher fasziniert die Geschichte der Frau, die den Messias bis zum Ende seines irdischen Lebens und darüber hinaus begleitete. Maria Magdalena gehört zweifelsohne zu den bedeutendsten und dazu umstrittensten Frauen des Christentums, denn nicht nur ihr bewundernswerter Lebensweg, sondern auch die zahlreichen künstlerischen Rezeptionen vom frühen Mittelalter an bis heute sind einzigartig und spannend zugleich. Von der Jüngerin Jesu über die Darstellung als Sünderin und Prostituierte bis hin zu der Verehrung als „Apostelin der Apostel“ ist das Wirken der Maria aus Magdala schon vielseitig interpretiert worden. Letzterer Titel wird ihr zugesprochen, da sie als erste Auferstehungszeugin gilt.

Diese beiden eindrucksvollen Frauengestalten sollen nur als ein Beispiel von vielen gelten. Die Liste in der Bibel und in der Geschichte der Kirche ist lang: Mirjam, Rut, Debora, Abigail, Ester, Elisabeth von Thüringen, Hildegard von Bingen, Katharina von Bora, Theresa von Avila, Edith Stein, Madeleine Debrel, Mutter Theresa, Sr. Lea Ackermann…die Aufzählung könnte fast unendlich fortgeführt werden.

Was ist nun die Quintessenz?: Es braucht uns Frauen, ohne uns Frauen geht es nicht! Das zeigen die biblischen Frauen, die Frauen in der Geschichte der Kirche aber auch all die vielen Alltagsheldinnen in unserer heutigen Zeit. Hielten und halten sie nicht im wahrsten Sinne des Wortes den Laden mit am Laufen bzw. bringen ihn mit nach vorn? Und das in Gesellschaft, Wirtschaft, Kirche, Politik, Wissenschaft, Kunst und Kultur sowie in der Familie.

Am Schluss ist mir noch ein Gedanke wichtig: Es darf nie um ein „Frauen sind besser“ gehen! Die Balance zwischen den Geschlechtern muss gewahrt bleiben, das heißt, Geschlechtergerechtigkeit und Gleichberechtigung für beide Seiten.  Dabei geht es auch um die Begegnung von Frauen und Männern auf Augenhöhe, sich in Fähigkeiten und Fertigkeiten, in Stärken und Schwächen zum Wohle und im Dienste aller ergänzend. Welche schöne Vision und welch großer Gewinn, auch und gerade für die katholische Kirche!

Ihre Ute Paschedag

Gemeindeassistentin im Pastoralen Raum Soest

Zu erreichen unter: Telefon 02921/6710672 oder eMail ute.paschedag@pr-soest.de

Impuls vom 24.05.2020 - Starke Frauen [hier...]

#Gedanken zur Wochenmitte „Die Fahrradspiritualität“

Es ist wieder Zeit für das Fahrradfahren. Schönes Wetter läd ein, sich draußen auf den „Drahtesel“ zu schwingen und die Natur in Feld und Flur zu erkunden. Seit einigen Tagen geht mir der Gedanke der „Fahrradspiritualität“ durch den Kopf. Ich habe den Begriff entdeckt in einem Text von Madeleine Delbrel. Und so möchte ich das Bild vom Fahrrad als Bild für gelebtes Christentums interpretieren:

Fahrradfahren bedeutet Bewegung und zwar mit Hilfe von Kraft und Balance. Als Christen müssen wir auch in Bewegung bleiben und verbunden uns weiterentwickeln, denn sonst bleibt unser Glaube nicht lebendig. Das erfordert einiges an Anstrengung. Wichtig ist, dass man das Neue und das Alte auslotet und ein gutes Miteinander, ein Gleichgewicht herstellt.

Ohne Antrieb kein Fahrradfahren, es braucht die Muskelkraft oder im Glauben gedacht: die Begeisterung. Sonst kann so eine „Radtour“ eine richtige „Tortur“ werden und macht keine Freude.

Wenn es dann so läuft, dann lassen wir uns den Wind um die Nase pusten, vielleicht spüren wir etwas von Gottes Wind, dem Heiligen Geist…?

Bevor man aber so richtig gut Fahrradfahren kann, muss man es erst erlernen. Dazu braucht es Hilfestellungen, Stützräder, Menschen, die einem erstmal Halt und Stabilität geben. Auch im Glauben brauchen wir diese Hilfen: Ob es nun die Eltern sind, die entscheiden, ihre Kinder taufen zu lassen, ob es Menschen sind, die andere in ihrem Leben und damit auch in ihrem Glauben unterstützen und stärken. Glauben geht nicht allein, es braucht zunächst „Anschubser“. Und mit der Zeit kann es „meins“ werden, entdecke ich den Wert, den der Glaube für mein Leben haben kann.

Beim Fahrradfahren ist es wichtig, dass Luft im Reifen ist, denn mit einem „Platten“ lässt sich´s schlecht fahren. Einen platten Reifen bekommt mein Rad, wenn ich z. B. durch eine Scherbe fahre. Im Leben läuft auch nicht immer alles rund. Manchmal wird mein Glaube durch ein Ereignis, eine Krise, erschüttert, reißen schmerzvolle Erfahrungen wie eine Scherbe eine Wunde, ein Loch in unser Leben und in unseren Glauben. Das macht ihn im wahrsten Sinne des Wortes „kaputt“. Die Luft ist raus, es geht nicht mehr. Was hilft da? Ein Handwerker, der das Fahrrad wieder flott machen kann oder auf den Glauben bezogen: Menschen, die in Krisen da sind und einen unterstützen, so dass der Glaube im Leben und an das Leben wieder seinen Platz finden kann.

Wenn ich Fahrrad fahre, dann muss ich darauf achten, dass ich niemanden umfahre. Ich kann mit der Klingel auf mich aufmerksam machen. Das heißt, dass ich als Christ in einer Gesellschaft unterwegs bin, wo ich aufpassen muss, dass ich keinen überfahre. Ich kann auf mich aufmerksam machen, aber ich sollte nicht wie eine Dampfwalze durch die Gegend „brettern“. Ich muss mich an die Regeln im Straßenverkehr halten, ich muss mich an die Regeln des gesellschaftlichen Miteinanders halten.

Ach ja, das Wichtigste hätte ich fast vergessen. Wenn ich Fahrrad fahre, dann orientiere ich mich an Schildern, dann habe ich ein Ziel. Als Christ habe ich dieses Ziel auch: eine Fahrradtour durchs Leben, in der die christliche Botschaft der Wegweiser sein soll, hin zu einem Gott, der mich auch dann nicht im Stich lässt, wenn ich von meinem Fahrrad absteigen muss.

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen allzeit gute Fahrt durch den Alltag des Lebens, wie auch des Glaubens.

 

Ihre Sonja Rudolph, Klinikseelsorgerin und Gemeindereferentin zu erreichen über E-Mail sonja.rudolph@pr-soest.de

Impuls vom 20.05.2020 - Die Fahrradspiritualität [hier...]

#Maria – was verbindest du mit ihr?

An jedem Wochenende bemühen wir uns vom Pastoralteam, Ihnen im Vorwort des Pfarrbriefes Gedanken für die Woche mitzugeben: Gedanken, die Sie nachdenklich machen können, aber auch ermutigen sollen, die inspirierend sein könnten, aber hoffentlich auch einfach wohltuend sind… Für heute bin ich mal einen etwas anderen Weg gegangen…

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Am Ende meines Studiums hatte ich – vor meinem Berufseinstieg – etwas freie Zeit, die ich für mich nutzen konnte. Ich habe mich damals in einen weiteren Studiengang eingeschrieben, der mich sehr interessierte: (europäische) Volkskunde. Was reizte mich daran? In meinem abgeschlossenen Studienfach Geschichte ging der Blick meist in Richtung der „höheren Kreise“. Wie dachte der römische Konsul? Was trieb den mittelalterlichen König an? Welche Beweggründe hat ein Stammesfürst?

Und die Volkskunde? Sie dreht die Gesellschaftspyramide einmal um. Ihr Focus zielt nämlich auf die „normale Bevölkerung“. Was denkt, was ersehnt sich das Volk in Geschichte und Gegenwart?

In der Kirche spielt auch das Volk eine wichtige Rolle. Daher auch der geläufige Begriff der Volksfrömmigkeit. Zu ihr zählt – gerade im katholischen Bereich – oftmals die Stellung von Maria, ihre Bedeutung, ihre Rolle für den (persönlichen) Glauben.

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Deshalb habe ich anlässlich dieses Vorwortes „den Spieß einmal herum gedreht“… Ich habe einfach an einige meiner „Kontakte“ per Email eine Frage im Vorfeld geschickt:

Maria – was verbindest du mit ihr?

Hier einige Antworten…

  • Maria hat gerade für uns Mütter ein besonderes Verständnis.
  • Wenn ich das Werler Gnadenbild besuche, gehe ich voller Zuversicht in meinen Alltag zurück.
  • Maria bewahrte alles in ihrem Herzen... Dieser Satz trägt mich, er leitet mich an zum Nachdenken über das, was sich in meinem Leben ereignet.
  • Mir gefällt das Bild der Schutzmantelmadonna.
  • Durch ihre Augen lese ich / verstehe ich die Bibel anders und neu.
  • Ich erinnere mich gerne an ein Marienlied, das bei meiner Hochzeit gesungen wurde.
  • Sie hat eine Herzensverbindung zu uns Menschen.
  • Unsere Tochter hat den Namen Maria bekommen. Wir wollten sie unter ihren besonderen Schutz stellen.
  • Das Rosenkranzgebet gibt mir Kraft – nicht nur in schwierigen Zeiten.
  • Für mich ist sie ein großes Vorbild.
  • Ich heiße selbst Maria und bin zufrieden mit meinem Namen.
  • Sie ist eine Mutter, die sich kümmert, hat all‘ ihre Kinder im Blick.
  • Ich singe gerne „Segne, du Maria“. (Übrigens verfasst von einer evangelischen Pfarrerstochter, die zum katholischen Glauben konvertiert ist…)
  • Der Ort Maria Laach ist für mich ein Kraftort.
  • Mich berührt der Text: Maria, breit den Mantel aus.

Diese Antworten zeigen: Maria ist wie eine Gesprächspartnerin – Freundin – Schwester oder Mutter, der ich meine Anliegen anvertrauen kann. Im Alltag ist sie meine Begleiterin, hört mir zu.

So haben wir die Mutter Jesu oft auch aus unseren Kirchen herausgeholt. Viele haben eine Marienfigur im heimischen Wohnzimmer, dann entdecken wir – wenn wir mit offenen Augen durch unsere Orte gehen – Bildstöcke, die zum Innehalten einladen.

In meiner ehemaligen Gemeinde hat der Liturgiekreis genau diesen Gedanken aufgegriffen. Von dem Gnadenbild aus dem Seitenschiff wurde ein großformatiges Foto erstellt, dass nun am Wegesrand vor der Pfarrkirche in Bökenförde steht. Fußgänger, Radler, Autofahrer kommen an ihr vorbei und so wird vielleicht manch einer einen kurzen Stopp einlegen, ein Gebet sprechen, einfach seine Anliegen im Kopf kreisen lassen, bevor er oder sie die Weiterfahrt / den Weitergang antritt.

Ich wünsche Ihnen allen, dass auch Sie sich auf ihren Wegen von Maria begleitet, getragen und erhört wissen.

Unseren Kommunionkindern habe ich Anfang Mai eine Karte von der Gottesmutter geschickt. Vertrauen wir darauf, dass Maria in dieser Zeit gerade sie im Blick hat, die sich doch so sehr im Frühjahr auf den Weißen Sonntag gefreut haben.

Ein besonderer Gruß auch an die Frauen, die ihren Namen verliehen bekommen haben, auch in einer der vielen Varianten, die es gibt – Marie (10), Mareike, Mariele, Miriam, Marion, Mia (3) … Die beiden Zahlen habe ich entnommen aus der aktuell veröffentlichten Rankingliste „Beliebteste Babyvornamen aus dem Jahr 2019“ !

 

Ihre Felicitas Hecker

Gemeindereferentin im PR Soest

Zu erreichen über Mail: felicitas.hecker@pr-soest.de oder Tel.: 02921 / 53614

 

Impuls vom 17.05.2020 - Maria – was verbindest du mit ihr? [hier...]